Mit der Gründung des Trägervereins Freiraum Klingerhuf e.V. ist in diesem Jahr der Startschuss für eine umfassende Testphase gefallen. In den kommenden Monaten sollen unterschiedliche Nutzungskonzepte erprobt, Strukturen geschärft und Verantwortlichkeiten definiert werden. Das Potenzial ist groß für eine zukunftsorientierte und gemeinschaftliche Nutzung. Für die Entwicklung des Gesamtkonzepts zeichnen die Gründungsmitglieder – Permakultur Niederrhein e.V., die Stadt Neukirchen-Vluyn, die Hochschule Rhein-Waal sowie der Verein Kulturprojekte Niederrhein e.V. – gemeinsam verantwortlich.
Ein zentrales Vorhaben ist die schrittweise Entwicklung eines bis zu 5.000 Quadratmeter großen Nahrungswaldes. Auf dem ehemaligen Rasenplatz soll in den kommenden drei Jahren ein Ort entstehen, an dem gemeinschaftliches Pflanzen, Ernten und Lernen im Mittelpunkt stehen. Ergänzt wird dieses Konzept durch weitere geplante Elemente im Außenbereich, darunter Gewächshäuser, eine solarbetriebene Tribüne, Ansätze zur Nutzung von Windenergie, ein Multifunktionsplatz, ein Lehrpfad sowie innovative Wohn- und Arbeitsformen wie Tinyhouses.
Auch im Bildungsbereich setzt der Freiraum Klingerhuf wichtige Impulse: Die Initiative „Young Creatives“ der Hochschule Rhein-Waal begleitet den Aufbau eines Mini-MINT-Labs. Als außerschulischer Lernort soll es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, mit Technologien wie 3D-Druck und Mikrokontrollern eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen.
Grundsätzlich sollen die Räumlichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger offen zugänglich sein und ehrenamtlichen Initiativen, Vereinen sowie der interessierten Öffentlichkeit Raum bieten – sei es für Workshops, Kurse oder neue gastronomische Konzepte. Parallel dazu entwickelt sich das ehemalige Vereinsheim bereits jetzt zu einem beliebten kulturellen Treffpunkt. Regelmäßig finden kostenfreie Konzerte statt, die ohne vorherige Anmeldung besucht werden können.
Der Freiraum Klingerhuf versteht sich als lebendiger Ort der Begegnung und Mitgestaltung. Sein Erfolg hängt maßgeblich von den Menschen ab, die sich einbringen, Ideen entwickeln und den Ort aktiv mitgestalten.
Ende April verschafften sich nun auch das STAY2GROW-Team mit zwei internationalen Studierenden der Hochschule Rhein-Waal vor Ort ein Bild von den Möglichkeiten des Areals. Schnell waren sich alle einig: „Das 30.000 Quadratmeter große Gelände eignet sich hervorragend als STAY2GROW HUB“, schwärmt Amr Abdelkhalek begeistert. Der 28-jährige Environment and Energy-Student stammt ursprünglich aus Ägypten und engagiert sich nicht nur im Hochschulsport. Nach seinem Physikstudium in Leipzig kam er im Frühjahr 2022 nach Kamp-Lintfort. Hier organisiert er seit mehreren Jahren kulturelle Veranstaltungen und Ausflüge für Studierende innerhalb Europas und bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. „Ich liebe es, hier zu studieren und möchte auch nach meinem Abschluss unbedingt in der Region bleiben“, betont Abdelkhalek.
Gleichzeitig macht er auf einen wichtigen Bedarf aufmerksam: Es fehle bislang an einem zentralen Treffpunkt für Studierende – etwa für gemeinsames Kochen oder informellen Austausch, vor allem auch mit der regionalen Bevölkerung. „Das wir gemeinsam kochen, ist an der Hochschule leider aus Brandschutzgründen nicht möglich“, ergänzt Andrea Polk. Als Mitglied des AStA setzt auch sie sich dafür ein, dass sich internationale Studierende schnell einfinden und sich am Niederrhein heimisch fühlen.
Perspektivisch sind neben Konzerten, Lesungen oder gemeinsamen Kochevents im Vereinshaus des Klingerhuf auch Tanz- und Yogakurse denkbar. Das geplante Begegnungszentrum auf dem ehemaligen Stadiongelände könnte somit nicht nur ein zentraler Ort für Kultur, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft werden, sondern mit einer Anbindung des STAY2GROW Projekts auch eine wichtige Brücke zwischen internationalen Studierenden und der regionalen Bevölkerung schlagen.





